Die Ideologie des Black-Metal

Was die Kunstrichtung Black-Metal außergewöhnlich macht, ist die gegenseitige Ergänzung von Musik und der dahinterstehenden Ideologie.
Auch wenn sich innerhalb des Stiles in den letzten Jahren zahlreiche Ausdifferenzierungen entwickelt haben, so ist doch die künstlerische Seite in der Regel immens ausdrucksstark und emotional. Die Musik vereint Gegensätze wie (bösartige) Euphorie und Trauer, Licht und Dunkel, Ruhe und Aggression; dies oft auf einem Niveau, welches unseres Wissens in der Welt der Populärkultur äußerst selten oder gar einzigartig ist. Einige Werke im Bereich des Black-Metal erreichen ein Niveau, das man durchaus in der Nähe klassischer Musik ansiedeln könnte.
Die Ideologie dieser Stilrichtung läßt sich nicht ganz eindeutig definieren, da sie im Laufe ihrer Entstehung verschiedenen Wechseln unterworfen war und auch weiterhin ist. Allerdings sind gewisse Grundzüge vorhanden: die Beschäftigung mit okkulten Themen, mit Mythologie (sei sie nun nordisch, keltisch, jüdisch, christlich etc.) und nicht zuletzt mit dem Tod. Wichtigster Bestandteil jedoch ist Satanismus in seinen diversen Ausprägungen. Letztere reichen vom mehr oder weniger "dumpfen" Teufelsanbeten bis hin zu einem "aufgeklärten" Satanismus, der Satan lediglich als Symbol einer Befreiung von Werten, Normen, Regeln, Vorschriften, überkommenen Strukturen etc. sieht. Die Beschäftigung mit diesen Thematiken eröffnet eine Weltsicht, die charakterisiert ist durch die Befreiung von geistiger Bevormundung, welche vor allem von Religionen und Kirchen ausgeht, aber auch von Massenideologien (wie z.B. Moderichtungen) allgemein. Die dunkle Seite der Welt wird nicht nur nicht tabuisiert, sondern vollkommen akzeptiert und sogar verehrt. Auch werden Wertvorstellungen und Regeln (bzw. Gesetze) nicht einfach unreflektiert übernommen, sondern kritisch betrachtet und oft ein individuell gültiger Wertekanon erstellt.
Die Einsicht, daß zum so charakterisierten, "freien" Menschenschlag nur sehr wenige unserer Zeitgenossen gehören, verbunden mit dem Wissen, etwas musikalisch Einzigartiges zu schaffen, das von vielen nicht verstanden wird, oder zumindest daran teilzuhaben, läßt ein gewisses elitäres Gefühl und Denken aufkommen. Resultat ist eine mehr oder minder ausgeprägte Misanthropie, die sich vor allem gegen "Herdenmenschen" richtet, die sich an Religionen, Glauben, Werte, Massenidentitäten (wie Modemarken oder Nationalität) klammern müssen, weil sie nicht stark genug sind, sich selbst eine Identität zu schaffen, geschweige denn ihre Existenz mit Sinn zu füllen; diese Misanthropie wird auch in der Regel schon im äußeren Auftreten recht deutlich ausgedrückt.
Aus dem Vorangegangenen sollte klar geworden sein, daß die Ideale des Black-Metal sich nicht mit Massenideologien wie Religiosität, Nationalismus, Nationalsozialismus, Rassismus, Kommunismus, Materialismus oder ähnlichem vereinbaren lassen, schon allein aufgrund der Tatsache, daß die wahre Ideologie über diesen Anschauungen steht. Auch ist das erwähnte elitäre Bewusstsein zwar durchaus auf die Gruppe der Gleichgesinnten bezogen, darf aber nicht verwechselt werden mit dem schon viel zu oft und vollkommen falsch verwandten nietzsche'schen Begriff des Übermenschen: Wer Nietzsche gelesen hat, weiß, daß dieser Begriff sich niemals auf eine Gruppe von Menschen heutiger Form beziehen kann; erst wenn der Mensch überwunden ist, kann der Übermensch entstehen, eine völlig neue Art: Zugleich besser und böser, närrischer und weiser und auf jeden Fall - einsam.
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